22. Oktober bis 5. November 2026
Donnerstags und Freitags 18-20 Uhr und nach Vereinbarung
22. Oktober bis 5. November 2026
Donnerstags und Freitags 18-20 Uhr und nach Vereinbarung
Vernissage: 22. Oktober 2026, 19 Uhr
Finissage: 6. November 2026, 19 Uhr
Ein junges Mädchen sitzt auf einem Bett. Der Schatten seines nackten Körpers scheint sich an der dunklen Wand hinter ihm aufzublasen – ist es tatsächlich nur sein eigener, oder vermischt er sich mit einem zweiten Schatten, groß und bedrohlich?
Das Bild „Pubertät“ von Edvard Munch, entstanden um 1894/95, beschäftigt die Künstlerin schon lange und hat sie zu der in der Ausstellung präsentierten Serie von Zeichnungen und Aquarellen inspiriert, die sie in ihrem Kurzfilm „one second“, welcher als loop projiziert wird, in Bewegtbilder verwandelt. Der Film besteht aus 60 einsekündigen Clips die jeweils für sich stehen. Dazu pulsieren 60 Herzschläge der Künstlerin.
Munchs Bild thematisiert die Scham über die erwachende Sexualität in der Jugend, den damit verbundenen Turbulenzen der Gefühle sowie die Scham über den eigenen, sich verändernden Körper. Das Bild könnte auch von einem möglichen Missbrauch erzählen, der in diesem fensterlosen Raum vielleicht stattfinden wird?
Auf einigen der zahllosen Varianten von „Pubertät“ wirkt das Mädchen auf dem Bett verängstigt und kindlich, andere zeigen es wiederum selbstbewußt, beinahe kokett. Natürlich ist es der Blick eines männlichen Künstlers auf ein junges Mädchen, doch fast scheint es, als wäre das dem jungen Modell auf dem Bild durchaus bewußt. Sein direkter Blick entlarvt somit auch den Voyeurismus des Betrachtenden.
Sowohl Gudrun Fürlingers Zeichnungen als auch ihr Film zeigen immer wieder ein junges Mädchen, dass wie bei Munch auf einem Bett sitzt oder im Raum steht. Dann blitzt in Sekundenschnelle das Bild einer erwachsenen Frau auf – ist es die Künstlerin selbst? - in ähnlichen Posen. Immer jedoch legen sich Schatten über die nackten Körper und den Raum, den sie nicht verlassen können.
Letztendlich ist dieses Mädchen, diese Frau, ob jung oder alt, vor allem ein Mensch, der in jeder Sekunde seines Lebens, Herzschlag für Herzschlag, seiner nackten Existenz ausgesetzt ist.
Gudrun Fürlinger ist gebürtige Oberösterreicherin und lebt seit 1995 in Wien. Nach ihrer Grafikdesign Ausbildung in Linz studierte sie Malerei bei Prof. Adolf Frohner an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Seit 2016 ist sie auch freie Filmemacherin und mit ihren experimentellen Kurzfilmen auf diversen nationalen sowie internationalen Filmfestivals vertreten, wie z.b. das Kortfilmfestivalen in Norwegen, Underdox München, Crossing Europe in Linz, Best Austrian Animation Festival und VIENNASHORTS in Wien oder der Diagonale in Graz. Seit 2021 besteht ihre künstlerische Zusammenarbeit mit dem österreichischen Filmemacher Ludwig Wüst.
Gudrun Fürlingers experimentellen Kurzfilme, Zeichnungen oder Collagen, thematisieren ihren Blick nach innen, um zugleich das „Außen“ herauszufordern: Schau hin! Nimm alles von mir! Ich habe nichts zu verlieren.
Und doch geht es in ihren Arbeiten um keine rein subjektive Innenschau, sondern vielmehr um das Herantasten an universelle emotionale Zustände wie jenen der unstillbaren Sehnsucht, des Begehrens, Trauer und Schmerz, aber auch der Liebe und Neugierde am Leben.
Gudrun Fürlingers kurzen Animationsfilme geben einerseits die momentane Stimmungslage der Künstlerin wieder, kurbeln aber zugleich in Sekundenschnelle das individuelle Kopfkino der Betrachtenden an. In vielen ihrer filmischen Arbeiten performt die Künstlerin selbst vor der Kamera und konfrontiert sich dabei mit ihrem eigenen Blick, ihrem eigenen Voyeurismus, was auch einem stetigen sich Vergewissern der eigenen Existenz gleicht.