26. 11. 2026 - 10. 12. 2026
Donnerstags und Freitags 18-20 Uhr und nach Vereinbarung
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Ein zwanzig Jahre alter, abgelaufener Diafilm, belichtet 2017 an den Lavaströmen des Ätna. Das Alter des Materials ist Teil des Bildes geworden: grobes Korn, zu Blau und Rosa zerfallene Farben, eine Landschaft, die noch keine Karte kennt. Der Boden bebt, glühendes Gestein steigt und fällt, Schnee wird zu Dampf, ehe er die Glut berührt.
exhale ist ein Fachwort der Vulkanologie — das Ausgasen des Bergs. Im Alltag aber heißt es „ausatmen", und wer vor dem Ausbruch steht, hört dieses Ausatmen unwillkürlich mit. Der Berg atmet, der Berg lebt, die Erde als beseeltes Wesen: Die Sprache hält die Vermenschlichung bereit, ehe wir sie wählen.
Man könnte das für einen Fehler halten, den es zu tilgen gälte — als ließe sich der Vulkan „an sich" sehen, gereinigt von jeder Projektion. Diese Reinigung aber gibt es nicht. Wir haben keinen Zugang zu einer Welt jenseits unserer Begriffe; wir messen den Berg am eigenen Körper, am eigenen Atem, weil uns kein anderes Maß gegeben ist. Der Anthropomorphismus ist nicht die Trübung des Erkennens, sondern seine Bedingung. Noch der nüchternste Fachterminus — Exhalation — trägt den Atem in sich.
So enthält der Titel beide Bewegungen zugleich: die Zuschreibung und ihre Befragung. exhale vollzieht die Vermenschlichung, die es sichtbar macht; es nimmt sie nicht zurück, sondern hält sie offen.
Damit rührt die Arbeit an den Kern dessen, was das Rotlicht-Festival 2026 unter dem Titel Anthropocene: Hybrid Realities verhandelt — die Frage, ob die Erzählung menschlicher Herrschaft über die Erde nicht selbst ein Konstrukt sei. Was am Lavastrom austritt, entstand vor dem Menschen und wird nach ihm weiterlaufen: gewaltig, älter als jede Bedeutung, die wir ihm geben. Der Mensch erscheint nicht als Herr des Geschehens, sondern als eine Spur, die getilgt werden wird.
Der abgelaufene Film gehorcht dabei keiner Kontrolle. Er ist Chemie, Zeit und Zufall — ein Bild, das zerfällt, während es entsteht. Darin liegt keine Antwort, sondern eine offene Frage: nach dem Verhältnis zwischen unserem Wahrnehmen und den scheinbar gleichgültigen Gewalten, die es übersteigen. Und doch — was ist all das, wenn es nicht gesehen wird?
A twenty-year-old, long-expired slide film, exposed in 2017 at the lava flows of Mount Etna. The age of the material has become part of the image: the grain is as coarse as the ejected stones, the colours have decayed into blue and pink, a landscape no map yet knows. The ground trembles, a rumble without beginning or end, glowing rock rises and falls, snow turns to vapour before it meets the heat.
exhale — in volcanology, the outgassing of the mountain. Standing before it, one cannot help but hear "breathing out," measuring the mountain against one's own body. Yet what emerges here existed before us and will continue after we are gone: new land, immense and seemingly indifferent. And yet — what is it when no one sees it?